Andachten

Hier finden Sie die Gedanken zu Bibeltexten von den Seelsorgern der Immanuel Albertinen Diakonie zum Innehalten, als Inspiration oder zum Nachdenken.

30.03.2010

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“

Andacht zu Johannesevangelium, Kapitel 15, Vers 13 von von Prof. Dr. Ralf Dziewas

Der Spruch für den Monat März löst in mir zwiespältige Gefühle aus. Es ist einer der Bibelverse, die oft gegen ihren ursprünglichen Sinn dafür missbraucht wurden, Menschen zur Selbstaufopferung zu verführen. Mit diesem Vers wurden Soldaten in Himmelfahrtskommandos geschickt und anschließend schmückten diese Worte die Nachricht an die Hinterbliebenen. Mit Verweis auf diesen Vers wurde von Christen eine Ethik der Selbstverleugnung und von Mitarbeitern in Kirche und Diakonie eine Einsatzbereitschaft gefordert, die das eigene Wohl, ja das eigene Leben nicht mehr achtete, sondern nur noch die zu leistende „Liebes“-Aufgabe in den Blick nahm. So aber kann man diesen Bibelvers nur verwenden, wenn man ihn aus dem Kontext reißt, in dem er steht.

Dieser Vers enthält gerade keine Aufforderung zur Selbstaufopferung. Im Johannesevangelium spricht Jesus bei diesem Wort über sich selbst und sein bevorstehendes Leiden und Sterben am Kreuz. Dieses Bibelwort will eigentlich deutlich machen, dass es keine größere Liebe gibt und geben kann, als dass der Sohn Gottes und damit Gott selbst, sein Leben einsetzt für seine Freunde, die Menschen. Gott selbst ist Mensch geworden und hat, um seine Liebe zu den Menschen zu zeigen, sein Leben hingegeben, Schmerzen und Tod auf sich genommen. Damit können selbst Leiden und Tod die Menschheit nicht mehr von Gott trennen, denn Gott kennt auch diese zutiefst menschlichen Erfahrungen. Er hat die Angst vor dem Tod durchlebt, die Ohnmacht, die Trauer und den Schmerz angesichts eines zu früh und gewaltsam beendeten Lebens. Gottes Liebe, das will der Vers eigentlich sagen, ist eine auch vor dem Tod nicht zurückschreckende Liebe zu den Menschen.

Insofern will der Vers also nicht zur Selbstaufopferung verführen, sondern die Liebe Gottes vor Augen stellen. Wenn daraus dann Dankbarkeit erwächst, wenn dann Menschen sagen, dass sie sich selbst einbringen wollen, um anderen Menschen ihre Liebe zu zeigen, und wenn sie das auch in Berufen tun, in denen sie permanent mit Krankheit, Leiden und Sterben konfrontiert werden, dann entspricht das dieser Liebe Gottes zu den Menschen. Aber das geht dann nicht mit Selbstverleugnung, sondern allein mit dem Wissen, dass nur die erfahrene Liebe zur Weitergabe der Liebe befähigt. Erst aus der Selbstannahme und dem Gefühl, geliebt zu sein, erwächst die Kraft, anderen liebevoll begegnen zu können.

 
 
 
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