Andachten

Hier finden Sie die Gedanken zu Bibeltexten von den Seelsorgern der Immanuel Albertinen Diakonie zum Innehalten, als Inspiration oder zum Nachdenken.

28.02.2012

„Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf. Denkt dabei nicht an euch selbst, sondern an die anderen."

Andacht zu 1. Korinther 10,23f. von Diakon Marc Stamm

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

die große und unbegrenzte Freiheit bleibt doch nur in unserer Phantasie bestehen. Wo auch immer wir dieser Freiheit begegnen, beginnen wir an zu träumen. Das Motto „Alles ist erlaubt“ ist uns auch aus der Werbung gut vertraut. Es wird in unterschiedlichen Varianten kommuniziert und professionell benutzt. Es soll unsere Sehnsüchte und Bedürfnisse wecken und bedienen. Und ganz ehrlich: es klappt doch immer wieder.

Gleichzeitig empfinden wir eine intuitive Skepsis. Als aufgeklärte Menschen kennen wir hinter jeder Erlaubnis auch die Begrenzung. Die Fahrerlaubnis für den Straßenverkehr wird nur erteilt, wenn wir die Ordnungen, Gesetze und die anderen Teilnehmer kennen, akzeptieren und respektieren. Wer gegen die Begrenzungen verstößt, muss mit Konsequenzen rechnen. Diese Konditionierung haben wir von klein auf für alle Lebensbereiche gelernt. Und gleichzeitig haben wir auch gelernt, das Grenzen Freiheit schenken. In einem klar abgesteckten und geordneten Bereich finden wir die benötigten Freiheiten zum Leben. Aus unserer heutigen Perspektive ist das doch sehr schlüssig.

Doch der Apostel Paulus schreibt diesen Satz in seinem Brief an die Christen in der antiken Weltstadt Korinth. Es gab nur wenige Städte und Zentren, in denen über Freiheiten und „Alles ist erlaubt“ - Vorstellungen nachgedacht werden konnten. Die meisten Menschen in der damaligen Zeit lebten in strukturellen und persönlichen Abhängigkeiten. Die Bürger in Korinth dagegen waren weltoffen, sprachen Latein, philosophierten in griechischen Schulen und handelten mit Gütern aus allen Ländern. Und vor allem: Sie hatten und nutzten alle Möglichkeiten, die ihnen das Leben gab. So hatten auch die Christen in Korinth viele Möglichkeiten, die anderen Christen auf dem Land und in den Provinzen nicht hatten und sich auch nicht vorstellen konnten. So war es in Korinth üblich, Opferfleisch auf dem Markt weiter zu verkaufen. Christen konnten dieses Fleisch natürlich nicht essen. Aber wie sollte man wissen, woher das Fleisch kommt? Eine wirklich schwierige Frage. Und Paulus nimmt diese alltägliche Frage auf. Es ist erlaubt, etwa rituelles Fleisch zu essen, wenn die Herkunft einem nicht bekannt ist. Und nun geht der Bibelvers weit über den damaligen Kontext hinaus. Alles ist erlaubt! Aber nicht alles dient dem Guten! Nicht alles baut auf! Und dann eine Art Handlungs- und Normenprüfkriterium: niemand suche das Seine, sondern was dem anderen dient.

Wir brauchen die Sehnsucht nach Freiheit, wir brauchen für unser Leben Entwicklungspotentiale, aber wir brauchen auch das Miteinander, die Solidarität und Gemeinschaft. Diese gute Balance trägt unser Leben als Menschen und hält das richtige Maß. Gottes Segen für Ihre Arbeit in Freiheit und Verantwortung.

Es grüßt Sie herzlich,

Marc Stamm, Krankenhausseelsorger im Immanuel Krankenhaus Berlin, Standort Wannsee

 
 
 
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