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25.05.2023

Erfolgsgeschichten aus Rüdersdorf: Die allererste Ergotherapeutin der Psychiatrie

Nach 47 Jahren im Rüdersdorfer Krankenhaus geht Bärbel Michalke, die erste Ergotherapeutin der psychiatrischen Abteilung, in den wohlverdienten Ruhestand. Eine Rüdersdorfer Erfolgsgeschichte, die es so nur einmal gibt.
Immanuel Klinik Rüdersdorf - Nachrichten - Erfolgsgeschichten aus Rüdersdorf: Die allererste Ergotherapeutin der Psychiatrie

Bärbel Michalke in den Werkstätten des Zentrums für seelische Gesundheit mit Brennofen für Ton sowie die verschiedenen Farben.

Wir schreiben das Jahr 1976, als Bärbel Michalke ihre Ausbildung zur Krankenschwester im Rüdersdorfer Krankenhaus beginnt. Bereits im zweiten Lehrjahr ist sie in der Psychiatrie eingeteilt. „Damals war die Abteilung für Psychiatrie des Krankenhauses allerdings nicht auf dem Klinikgelände, sondern in einem ehemaligen Gefängnis unweit des Rathauses von Rüdersdorf“, erzählt Bärbel Michalke. „Männer und Frauen wurden noch getrennt untergebracht und viele Menschen blieben Jahre lang. Es war eher ein psychiatrisches Pflegeheim.“ Nach der Ausbildung ist für die junge Krankenschwester schnell klar, dass sie in diesem Bereich weiterarbeiten will. Der damalige Chefarzt Dr. Bernd Winkler ist es, der eine Ergotherapeutin am Standort will. „Ich hatte davon noch nie gehört, aber war offen für Neues, da ich den Patientinnen und Patienten die bestmögliche Therapie bieten wollte.“ Das große Problem: „Damals war es wirklich schwer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Also habe ich einfach angefangen.“ Dekorationselemente basteln, Spiele spielen oder sogar Tupfer für den OP des Krankenhauses herstellen und den Dachboden des Hauses ausbauen – als „Beschäftigungs- und Arbeitstherapeutin“ macht Bärbel Michalke alles mit den Menschen, das sie aus den Zimmern lockt, aktiv beschäftigt und damit das Selbstbewusstsein stärkt. 1983 ist es endlich soweit und sie bekommt eine Ausbildungsstelle in Berlin. Während der Ausbildung arbeitet sie weiter in Rüdersdorf und schafft es, das frisch Gelernte direkt anzuwenden. „Auf einmal standen uns ganz neue Techniken und nach der Wende auch auf einmal so viele Materialien zur Verfügung“, erinnert sie sich und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Aber auch wir haben dazugelernt und würden heute nicht alles wiederholen, was wir uns damals ausgedacht haben.“

Umzug auf das Klinikgelände
In den 1990er Jahren ziehen die ersten Suchtpatientinnen und -patienten der Psychiatrischen Abteilung in einen Anbau des Rüdersdorfer Krankenhaus an den Kalksee. Als auch die anderen psychiatrischen Patienten in die Klinik ziehen, schlägt ihnen und den Mitarbeitenden viel Gegenwind entgegen. „Die Menschen hatten Angst, wussten nicht, was sie erwartet“, so Michalke. In den darauffolgenden Jahren wurde der psychiatrische Trakt des alten Klinikgebäudes umgebaut und Bärbel Michalke zog mit ihren Kolleginnen und Kollegen samt Patienten in ein eigens dafür errichtetes „Containerdorf“ nach Woltersdorf. Der so entstandene Psychiatriebau wird 2019 noch um einen Anbau mit Innenhof ergänzt und beherbergt heute alle Möglichkeiten der Therapie von psychisch Erkrankten unter einem Dach. „Das Haus ist mittlerweile so groß, hell, freundlich. Kein Vergleich zu allem, wie wir vorher gearbeitet haben“, freut sich Bärbel Michalke. „Wir haben mehrere Räume für die Ergotherapie und sogar einen eigenen Brennofen für unsere Töpferarbeiten. Aber wir haben auch deutlich mehr Patienten.“ Mittlerweile arbeitet sie in einem Team aus acht Personen, die sich in die jeweiligen Behandlungsteams eingliedern. „Wir sind bei den Frühbesprechungen dabei und immer sehr nah am Patienten“, so Michalke.

47 Jahre am Standort
Auf die Frage, was einen Menschen motiviert, 47 Jahre im gleichen Beruf am gleichen Standort zu arbeiten, antwortet Bärbel Michalke lächelnd: „Das hört sich erst einmal lang an, hat sich aber nicht so angefühlt, da ich jeden Tag neu gestalte. Ich versuche, alles auszuprobieren, mich nicht entmutigen zu lassen und alles nicht unnötig zu verkomplizieren. Natürlich gab es auch schwere Momente für mich in all den Jahren, zum Beispiel wenn sich eine Patientin oder ein Patient das Leben genommen hat, aber der Großteil meiner Arbeit ist sehr herzlich, immer am Menschen dran. Ich habe in all den Jahren auch so viel über mich gelernt, wie man zum Beispiel Konflikte löst oder im Team gut zusammenarbeitet. Mich hat hier nie etwas weggezogen.“ Und doch hat sich vieles mit der Zeit verändert, erklärt sie: „Am Anfang gab es beispielsweise keine Dokumentation, heute sitze ich manchmal stundenlang am Rechner, statt die Zeit mit den Menschen zu verbringen.“ Auch deshalb freut sie sich auf Ihren Ruhestand – obwohl es wohl keine Ruhe bei Bärbel Michalke geben wird. Einerseits, weil sie sich auf viel Zeit mit Ihren Enkeln freut, anderseits weil viele Menschen, die sie in der Zeit als Ergotherapeutin begleitet hat, ihre „Schwester Bärbel“ auf den Straßen rund um Rüdersdorf erkennen.

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