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04.04.2008

Neuer Krankenhausseelsorger

Herr Pastor Ralf-Peter Greif nimmt Anfang April offiziell als Krankenhausseelsorger an zwei Standorten der Immanuel Diakonie Group seine Tätigkeit auf.

Der 46 jährige Berliner betreut das Evangelisch-Freikirchliche Krankenhaus und Herzzentrum Brandenburg in Bernau sowie die Rheumaklinik Berlin-Buch des Immanuel-Krankenhauses. Die Krankenhausseelsorge begleitet Patienten, Angehörige und Mitarbeiter seelsorgerisch bei den Belastungen, Unsicherheiten und Fragen im Zusammenhang mit Erkrankungen. Die Krankenhausseelsorge unterstützt aktiv die Behandlung und den Heilungsprozess.


Interview mit Herrn Pastor Ralf-Peter Greif


Krankenhausseelsorger ist kein Ausbildungsberuf - wie war Ihr Weg dorthin?

Einerseits ist die Seelsorge ein wesentlicher Bereich der Aufgaben eines Pastors. Andererseits spielt sie in der theologischen Ausbildung meiner Erinnerung nach keine herausragende Rolle. Genauso wenig ist sie einfach nur eine Naturbegabung, sondern erfordert eine kompetente Qualifizierung. Ich habe in meiner langjährigen Praxis als Gemeindepastor sicher viele seelsorgliche Erfahrungen gesammelt, aber eben auch begriffen, dass Seelsorge gelernt sein will. Das ist mir vor allem in Situationen klar geworden, in denen ich meine eigene Hilflosigkeit zu spüren bekam. Aus diesem Grunde begann ich vor etwa zehn Jahren, gezielt nach Seminaren und Ausbildungsprogrammen Ausschau zu halten. Irgendwann stieß ich auf das Angebot der „Klinischen Seelsorgeausbildung“ (ksa) – ein Konzept, das sehr praxisorientiert ausgerichtet ist und die eigene Erfahrung des Seelsorgers zur Sprache bringt. Zur Ausbildung gehörte auch die Arbeit im Krankenhaus dazu. Seitdem reifte in mir die Vorstellung, einmal als Krankenhausseelsorger arbeiten zu wollen.

Wie haben sich die "Immanuel Diakonie Group" und Sie gefunden?

Ich habe einfach mal die Chance genutzt, Herrn Brandt, den geschäftsführenden Direktor der Immanuel Diakonie Group am Rande einer Konferenz auf meinen Wunsch anzusprechen. Und wir haben einen konstruktiven Gesprächsprozess begonnen, der sich über eine längere Zeit erstreckt hat, bis auf beiden Seiten klar war: wir können uns aufeinander einlassen.

Müssen Krankenhausseelsorger besonders belastbar sein, da sie sich in erster Linie mit Krankheit und Tod beschäftigen?

Ich denke, dass Krankenhausseelsorger sich vor allem klar sein müssen, dass die Berührung mit fremdem Leid einen eigenen Umgang braucht. Das Erleben am Krankenbett erfordert die persönliche Auseinandersetzung. Die Begegnungen mit Menschen in schwierigen Lebenslagen macht auch etwas mit mir, das kann ich nicht alleine klären. Nur wenn ich auch für mich selbst die Möglichkeit habe, Belastendes anzusprechen und auszusprechen, bin ich belastbar. Dafür gibt es Einzelsupervisionen oder auch Supervisionsgruppen. Diese zu nutzen, halte ich für die Arbeit als Krankenhausseelsorger unverzichtbar.


Welchen Ausgleich für den alltäglichen Stress im Alltag empfehlen Sie in Ihren Gesprächen?

Ich halte es für sehr wichtig, das Alltägliche unterbrechen zu können mit Nichtalltäglichem, immer auch mal etwas ganz anderes zu tun – das, was nicht sein muss, sondern sein darf oder möchte.


Wie finden Sie selber Ausgleich?

Ich merke, dass ich es zunehmend immer mal wieder ganz still mag – Momente, in denen es in mir einfach zur Ruhe kommt. Ansonsten lese ich sehr gerne – und eben nicht nur aus beruflichen Gründen. Ich bin ein Freund klassischer Musik und habe großen Spaß, mit meiner Frau in unseren Paddelbooten unterwegs sein. Joggen und Skaten tut mir auch gut.


Welches sind die Herausforderungen für die Krankenhausseelsorge in der Zukunft?

Um diese Frage zu beantworten, brauche ich mehr Einblicke in diese Arbeit, als ich sie zu diesem Zeitpunkt haben kann. Vielleicht soviel: Ich denke, dass es darauf ankommt, welchen Stellenwert der Krankenhausseelsorge eingeräumt wird. Für mich ist sie ein fester Bestandteil der gesamttherapeutischen Arbeit.


Gibt es eine spezifisch "ostdeutsche" Situation?

Jeder Mensch ist durch die politische und gesellschaftliche Geschichte geprägt, in die er hineingeboren ist. Das ist nicht spurlos an einem vorbeigegangen und will beachtet sein. Vierzig Jahre DDR sind nach über 18 Jahren nicht vergessen, auch wenn meine inzwischen zumeist erwachsenen Kinder mit dieser Zeit nichts mehr wirklich verbinden. Für mich selber bleiben 28 Jahre im Ostteil unseres Landes ein entscheidender Teil meiner Biographie, den ich nicht nur hinter mir habe, sondern der auch bleibende Spuren hinterlassen hat.

Insofern mag es eine spezifische „ostdeutsche“ Situation geben, aber nicht weniger als es auch eine westdeutsche und inzwischen ebenso eine gesamtdeutsche gibt. Allerdings – was mich angeht – ich merke meist, woher jemand kommt. Wir können das wohl nicht leugnen. Und wir müssen es auch nicht.


Vielen Dank für das Gespräch.
Carsten Kolbe-Weber
 

 
 
 
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