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17.05.2011

3. Workshop Netzwerk „Anreize und Steuerungssysteme für eine moderne psychiatrische Versorgung“

50 interessierte Netzwerker diskutierten über Qualitätsparameter

Bereits zum dritten Mal führte das Netzwerk „Anreize und Steuerungssysteme für eine moderne psychiatrische Versorgung“ einen Workshop durch – diesmal am 10. Mai 2011 in den Räumen der Immanuel Diakonie am kleinen Wannsee. Gastgeber für die 50 Teilnehmenden war Chefarzt Privatdozent Dr. Martin Heinze von der Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Immanuel Klinik Rüdersdorf, die zur Immanuel Diakonie Group gehört.

Qualität psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung
Psychiater, Versorgungswissenschaftler, Vertreter der Krankenkassen, Vertreter des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland und der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Mitarbeiter der Gesundheitsverwaltung, aber auch Psychiatrieerfahrene und psychiatrisch interessierte Laien verbrachten den Tag mit angeregten Diskussionen über Qualitätsparameter in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung.

Der Diplom-Psychologe Dr. Markus Kösters von der Universität Ulm stellte eingangs die Problematik sinnvoller Qualitätsparameter für die psychiatrische Versorgungsforschung vor. Für an Schizophrenie erkrankte Patienten hat die Universität Ulm ein Set von Qualitätskriterien entwickelt, welches in Zukunft sowohl zur Qualitätssicherung der Behandlungen als auch zur Planung neuer Versorgungsformen herangezogen werden kann.

Der Beitrag von Dr. Martin Lambert der Universität Hamburg konzentrierte sich auf die aktuell im psychiatrischen Versorgungssystem festzustellende Fehlsteuerung und deren negative Auswirkungen auf die Versorgungsqualität. Er stellte das Hamburger Modellprojekt zur Versorgung schizophren Erkrankter vor, welches beeindruckende Verbesserungen des Behandlungsergebnisses an Kennzahlen wie Verweildauer, Wiederaufnahmerate und sozialer Integration erreichen konnte.


Qualitätskriterien aus der Sicht der Betroffenen
Besonders hervorzuheben ist der Beitrag der Psychiatrieerfahrenen, der von der Genesungsbegleiterin Anja Henke aus Potsdam vorgetragen wurde. Sie mahnte an, dass Qualitätskriterien auch aus Sicht der Betroffenen und in Zusammenarbeit mit diesen entwickelt werden müssen: „Qualitätsmanagement im psychiatrischen Bereich erfordert die konsequente Einbeziehung der Nutzer, sowohl bei der Definition von Qualitätszielen als auch bei der Bewertung von Ergebnisqualität“. Frau Henke forderte, dass in die Weiterentwicklung von Klinikkonzepten Nutzer einzubinden sind.

Kostenträger: sektorübergreifende psychiatrische Behandlung
Aus Sicht der Kostenträger kommentierte Stephan Wörmann vom Verband der Ersatzkrankenkassen in Berlin die schon lange bestehende Qualitätsdebatte der Psychiatrie und die verschiedenen Anläufe zur Qualitätssicherung, die sich in den letzten 20 Jahren ereignet haben. Im Ausblick stellte er den Mechanismus vor, mit dem zukünftig eine sektorübergreifende psychiatrische Behandlung mit wenigen ausgewählten Qualitätskriterien begleitet werden soll: es wird beim gemeinsamen Bundesausschuss eine Arbeitsgruppe für psychiatrische Qualität etabliert werden, die dann einen Forschungsauftrag an das ACQUA-Institut für Gesundheitsforschung vergeben wird.

Workshops: Qualität der psychiatrischen Versorgung im Focus
In den nachmittäglichen Workshops wurde die Qualität der psychiatrischen Versorgung auf der Ebene des individuellen Patienten, der Institution Krankenhaus und des gemeindepsychiatrischen Verbundes diskutiert. Die Arbeitsgruppe „Patienten“ stellte anschließend einige wenige Parameter vor, die für eine zukünftige Qualitätssicherung geeignet sein könnten.
Die Arbeitsgruppe „Krankenhaus“ stellte vor allem fest, dass geeignete Parameter zur Beurteilung des Krankenhauses noch nicht vorliegen und zunächst die Frage diskutiert werden müsse, wie sich das psychiatrische Krankenhaus in Zukunft aufstellen solle.
Die Arbeitsgruppe „gemeindepsychiatrischer Verbund“ stellte vor allem vor, dass Qualität nur dann sinnvoll für die Psychiatrie angenommen werden kann, wenn eine langfristige Therapieplanung personenzentriert im Kontext aller Leistungserbringer erfolgt und im Verbund aller Beteiligten abgestimmt wird.

Fazit: Qualität gewinnt zunehmend an Bedeutung

In der Schlussdiskussion wurden die verschiedenen Perspektiven des Tages noch einmal zusammengeführt. Es wurde deutlich, dass das Qualitätsthema in Zukunft erheblich an Bedeutung gewinnen wird. Dies wird aufgrund der Entwicklung neuer Finanzierungsformen nach § 17 d des Krankenhausgesetzes geschehen. Zudem sollen die erfolgreichen Modellprojekte alternativer psychiatrischer Krankenhausversorgung hinsichtlich der von ihnen erzielten Ergebnisse gut abgebildet werden. Insofern beschließt das Netzwerk, Grundaussagen zur Qualitätsmessung und –sicherung in das Arbeitspapier des Netzwerkes einzuarbeiten und bis zum Herbst ein Set von Qualitätskriterien zu entwickeln, welches der Diskussion mit den Kostenträgern und der Leistungserbringungsseite um zukünftige alternative Versorgungsformen die notwendige Überzeugungskraft geben kann.

 
 
 
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