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01.12.2020

Vom Mut, Neues anzugehen - 70 Jahre Immanuel Krankenhaus Berlin

Zum Jubiläum des Immanuel Krankenhaus Berlin geben Geschäftsführer Roy J. Noack und Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung Immanuel Albertinen Diakonie Matthias Scheller einen Rück- und Ausblick.
Immanuel Krankenhaus Berlin | 70 Jahre Jubiläum | Jugendhospital | Siemens-Villa | Baptisten-Gemeinde Schöneberg | Polio-Epidemie | Versorgung heute Rheumatologie, Rheumaorthopädie und Naturheilkunde

Junge Patienten auf der Terrasse der Siemensvilla, in der ab dem 1. Dezember 1950 ein Jugendhospital seine Arbeit aufnahm

Schwester versorgt Patientin im Krankenbett auf der Terrasse der Siemensvilla

Der Sommersitz der Familie von Siemens weist Kriegsschäden auf

Umfangreiche Umbauarbeiten am kriegsbeschädigten Gebäudekomplex starteten unmittelbar nach der Schenkung 1949

Heute beherbergt die Siemensvilla Teile der Verwaltung der Immanuel Albertinen Diakonie

Heute, am 1. Dezember 2020, feiern wir Geburtstag: Das Immanuel Krankenhaus Berlin wurde vor genau 70 Jahren als „Jugendhospital“ eröffnet. Dies war ein wichtiger Meilenstein der Immanuel Albertinen Diakonie am Standort Berlin nach den ersten Gehversuchen mit dem 1947 in der Schöneberger Hauptstraße gegründeten Hospital Feierabendheim.

Heute ist das Immanuel Krankenhaus Berlin mit seinen Standorten in Berlin-Wannsee und Berlin-Buch und der Immanuel Medizin Zehlendorf ein wichtiger Garant für die ambulante, teilstationäre und stationäre Versorgung von Patientinnen und Patienten mit den Schwerpunkten Rheumatologie, Rheumaorthopädie und Naturheilkunde mit überregionaler Strahlkraft.

Der Blick in die Geschichte: Polio-Epidemie als inhaltlicher Impuls

Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich in Europa die Viruserkrankung Poliomyelitis anterior acuta, auch bekannt als spinale Kinderlähmung, mit einer letzten großen Welle von 15.000 Erkrankungen in den Jahren 1952/1953.

Die Einführung eines erfolgreichen Impfstoffes 1962 führte zu einer raschen Abnahme der Erkrankungsfälle. 1992 wurden die letzten beiden Erkrankungen in Deutschland registriert. 2002 zertifizierte die Weltgesundheitsorganisation Europa als poliofrei.

Das Geschenk mit klarem Auftrag

Zu Beginn des Jahres 1949 übertrugen Hermann und Charlotte von Siemens der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Schöneberg unentgeltlich ihren Sommersitz.

Allerdings zweckgebunden: Das Haus sollte ein Sozialeinrichtung beherbergen. Die Gemeinde in Schöneberg entschied sich, diese große Chance zu ergreifen und begann unmittelbar nach der Schenkung mit umfangreichen Umbauarbeiten am kriegsbeschädigten Gebäudekomplex.

Alte Hülle mit neuem Sinn

Noch mitten in der Hochphase der Polio-Infektionen startete am 1. Dezember 1950 in der ehemaligen Sommervilla der Familie Arnold von Siemens Am Kleinen Wannsee 5 in Berlin-Zehlendorf das erste Hospital Deutschlands mit 125 Betten für Kinder und Jugendliche, die an der spinalen Kinderlähmung erkrankt waren.

Der Initiator Pastor Walter Hoffmann, selbst körperbehindert, ließ das neu gegründete Haus zu einer ganzheitlich gedachten Stätte für diese jungen Menschen mit Behinderung werden. Neben der medizinischen und pflegerischen Betreuung bot das Jugendhospital ergänzend ab dem 12. Februar 1952 eine berufliche Rehabilitation.

Das Krankenhaus in der Siemensvilla verfügte auf jedem der vier Geschosse und dem Keller mit Parkblick über jeweils 16 Krankenzimmer. In jedem Stockwerk befanden sich ein gemeinschaftliches Patientenbadezimmer mit Wanne, Toilettenräume und eine Teeküche. Zusätzlich gab es im Erdgeschoss einen Schul- und Tagesraum, einen Wintergarten, ein Stationszimmer und einen Sitzplatz im Erker. Außen säumten ein Balkon, eine sehr große Terrasse und eine überdachte Auffahrt das Gebäude. Das erste Obergeschoss hatte zusätzlich ein „Absonderungszimmer“, ein Bad für Frauen und drei Sitzplätze im Erker, ein Türmchen sowie eine Loggia. Im dritten Obergeschoss waren zehn Schwesternzimmer, in denen die Krankenschwestern wohnten. Dort gab es außerdem ein Bad mit zwei Wannen, einen Aufenthaltsraum im Turm und eine Halle. In weiteren Kellerräumen der Villa am Kleinen Wannsee befanden sich der Kesselraum und der Kokskeller.

Alles aus eigener Kraft

Es gab damals keine Anschubfinanzierung der Stadt oder Investitionsmittel des Bundes; auch die Belegung des Hauses war im ersten Jahr sehr schwierig. Einige Angestellte verzichteten bis zu zwei Jahre auf ein Gehalt und arbeiteten ehrenamtlich. Etliche Mitglieder der Kirchengemeinde, die im Krankenhaus angestellt waren, fühlten sich derart in die Pflicht genommen, dass sie ihr Gehalt zur Verfügung stellten, um notwendige Zahlungen für die Verpflegung der Patientinnen und Patienten zu übernehmen.

Was uns wichtig ist: Neue Aufgaben – bis heute

Nach dem Abklingen der Epidemie suchte sich das Jugendhospital eine neue Aufgabe in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen aus den rheumatischen Formenkreis. Im Jahr 1952 erfolgte die Umbenennung der Einrichtung in „Immanuel-Krankenhaus“.

Nach dem Umzug in den zwischen 1982 und 1986 errichteten Neubau an der gegenüberliegenden Königstraße beherbergt das ehemalige Jugendhospital heute Teile der Verwaltung der Immanuel Albertinen Diakonie und ihrer Tochtergesellschaften.

Roy J. Noack, Geschäftsführer des Immanuel Krankenhauses Berlin, ist wichtig: „Das Jugendhospital wurde in einer sehr angespannten Situation gegründet: die geteilte Stadt Berlin nach dem verheerenden 2. Weltkrieg, ein sich neu zu findendes Land mit großer Schuld, eine drohende Epidemie, ein geschenktes Grundstück mit Entwicklungspotential, aber auch damit verbundene finanzielle Belastungen. Inmitten die kleine Schöneberger Baptistengemeinde, die die Notwendigkeit sieht, gerade jetzt etwas tun zu müssen. Und weil „Gott mit uns ist“ (hebräisch: „Immanuel“) war der damalige Mut der gute Nährboden, stets Wichtiges und Gutes zu tun – auch heute.“

Matthias Scheller, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der Immanuel Albertinen Diakonie, betont: „Zu Beginn des Immanuel Krankenhauses Berlin waren die Herausforderungen gewaltig und der Auftrag klar: gelebte Nächstenliebe verwirklichen. Diesem Anspruch sind wir stets verpflichtet, insbesondere in dem Wissen, was um uns passiert – gerade heute.“

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