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02.12.2019

Spitzenmedizin, Hightech, Forschung und Leistungssport trafen beim 27. Tag des Herzzentrums aufeinander

450 Gäste vor Ort und Tausende Zuschauer via Livestream im Internet verfolgten am 30. November live übertragene Eingriffe am Herzen und Fitnessprogramm für gesunde Herzen.

Eine elektroanatomische 3-D Karte zeigt dem Kardiologie-Team im Hybrid-Herzkatheterlabor den Erregungsablauf im Herzen bei einer Herzrhythmusstörung.

Das herzchirurgische Team tauscht eine verkalkte Aortenklappe gegen eine biologische Klappe aus Rind aus.

Radrennfahrer Werner Otto (rechts) und Jascha Brehme treten auf einer virutellen Strecke als Team im Zeitrennen an.

Bewegungsübungen mit Eiskunstläuferin Manuela Groß-Leupold und ihrer Sportgruppe.

Tischtennisspieler Dimitrije Bilic tritt bei einem LIVE-Tischtennismatch an.

Es war ein sportlicher 27. Tag des Herzzentrums. Spitzenmedizin, Hightech, Forschung und Leistungssport trafen in der voll besetzten Aula des Paulus-Praetorius-Gymnasiums in Bernau bei Berlin am Samstag, 30. November, aufeinander. Unter der Überschrift „Belastung oder Überlastung? Was kranke Herzen wieder leisten können“ standen Prävention und Fitness im Mittelpunkt. Wie Medizin helfen kann, wenn Herzen dennoch erkranken, zeigten zwei live aus dem Hybrid-Herzoperationssaal und dem Hybrid-Herzkatheterlabor übertragene und fachkundig erklärte Eingriffe. Rund 450 Gäste vor Ort und mehrere Tausend weitere Zuschauer via Internet-Livestream verfolgten, wie eine verkalkte Aortenklappe ersetzt und ein Vorhofflimmern per Katheter-Ablation behoben wurde.

Zur anschaulichen Erklärung nahmen Prof. Dr. med. Christian Butter, Chefarzt der Abteilung für Kardiologie am Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg, und Daniel Meretz, Medizinstudent an der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB), das Publikum mit auf eine virtuelle Reise durch ein dreidimensionales Herz, gesteuert über eine Virtual Reality Brille. Die Zuschauer sahen, wie Vorhofflimmern, das im linken Vorhof als kreisende elektrische Erregung entsteht und die häufigste Form von Herzrhythmusstörung ist, die Leistung von Herzen beeinträchtigt.

„Der Herzrhythmus kann auch schon bei jüngeren Menschen ein Problem sein“, sagte Prof. Dr. Butter. „Das äußert sich durch Herzrasen, Stolpern, ein Engegefühl in der Brust, Schwindel oder einen dramatischen Abfall der Leistungsfähigkeit bei Sportlern.“

Vorhofflimmern in 3-D

Vorhofflimmern könne durch elektrische Signale ausgelöst werden, die von den Lungenvenen ausgehen, erklärte Daniel Meretz. „Es besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel bilden, die ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall verursachen können.“ Wenn eine medikamentöse Behandlung die Erkrankung nicht mehr regulieren könne, sei eine Ablation notwendig. Die krankhaften elektrischen Erregungsherde ließen sich gezielt, etwa mit Hitze oder Kälte, veröden. Über einen Katheter werde so die Lungenvene, die sogenannte Pulmonalvene, vom linken Vorhof isoliert.

Wie eine Ablation in der realen Welt mithilfe modernster Medizintechnik durchgeführt wird, zeigte das Kardiologie-Team unter der Leitung von Oberarzt Martin Seifert und Oberärztin Viviane Möller an einem 73-jährigen Patienten im Hybrid-Herzkatheterlabor des Herzzentrums Brandenburg. Als Orientierung diente den Operateuren, aber auch dem Publikum, das erstmals bei einem Herztag eingesetzte „elektroanatomische 3-D Mapping“ – eine dreidimensionale, farbige Darstellung der elektrischen Erregungsabläufe im Herzen. „Über den mit Mikroelektroden besetzten Katheter wird eine Karte der elektrischen Aktivität erstellt, die zeigt, wo genau sich die Störung befindet, die verödet und isoliert werden muss“, erklärte Oberarzt Seifert.

Um Herzrhythmusstörungen vorzubeugen, seien moderater, regelmäßiger Sport und eine gesunde Ernährung am besten geeignet, sagte Prof. Butter. „80 Prozent der Herzkreislauferkrankungen werden durch eine ungesunde Lebensweise verursacht“, betonte der Kardiologie-Chefarzt. „Seien Sie aktiv. Wenn Sie sich bewegen, reduziert sich Ihr Risiko für Herzinfarkt, koronare Herzkrankheiten, Schlaganfall, Bluthochdruck und Diabetes ebenso wie für Arthrose, Demenz, Tumorerkrankungen und längere Krankenhausaufenthalte.“ Aber: Durch sehr intensiven Sport steige das Risiko für Herzrhythmusstörungen.

Prof. Butters Rezept für Herzgesundheit

Prof. Butters Rezept für ein gesundes Maß an alltagstauglicher Bewegung: täglich 25 Minuten mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, wöchentlich zehn Minuten Treppensteigen, 15 Minuten Staubsaugen, 20 Minuten Gartenarbeit und 20 Minuten Joggen oder Radfahren. Das gelte auch für Herzkranke. „Wenn sie sich bewegen, können sie ihr Sterberisiko dem von Gesunden annähern“, sagte Butter.

Eindrücklich führten eine ehemalige Spitzensportlerin und zwei frühere Spitzensportler vor, wie leistungsfähig und aktiv sie trotz Herzproblemen sind. Manuela Groß-Leupold, Eiskunstlauf-Olympia-Medaillengewinnerin von 1972 und 1976, zeigte dem Publikum gemeinsam mit einer Rehagruppe, wie man bis ins Alter mit Turnübungen fit bleiben kann. Dimitrije Bilic, ehemaliger Tischtennis-Welt- und Europameister, trat gegen einen jungen Tischtennisspieler an. Werner Otto, Olympia-Medaillengewinner im Tandemradrennen, stellte sich dem Wettkampf in einem Zeitrennen auf einer virtuellen Strecke. „Mit 72 Jahren leistet Werner Otto mithilfe eines speziell für Leistungssportler geeigneten Herzschrittmachers 250 Prozent der Norm seines Alters. Das Herz ist nie zu krank für Bewegung“, betonte Chefarzt Butter.

„Bodybuilder-Herz“

Dass ein besonders starker Herzmuskel nicht immer gut ist, erläuterte Prof. Dr. med. Johannes Albes, Chefarzt der Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie am Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg. „Die durhc Verkalkung verursachte Verengungen der Hauptschlagaderklappe zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader erhöht den Durchflusswiderstand des Blutes. Dadurch wächst die Muskulatur der linken Herzkammer erheblich, vergleichbar mit den Muskeln eines Bodybuilders“, erläuterte Prof. Albes die Folgen einer Aortenstenose. „Aus dieser Belastungsanpassung wird schon bald eine Überlastung und aus dem Bodybuilder-Herz eine ‚schlaffe Pumpe‘. Die Muskulatur schrumpft durch die ständige Überbeanspruchung.“ Bevor die Leistung kippe, müsse die Herzklappe ausgetauscht werden, damit das Herz wieder in Ruhe „abtrainieren“ könne. Wenn der Eingriff rechtzeitig erfolge, sei eine funktionelle Heilung des Herzens möglich.

In einer live aus dem Hybrid-Herzoperationssaal übertragenen Operation, tauschte das herzchirurgische Team um Oberarzt Thomas Claus die auch für das Publikum erkennbar stark verkalkte Aortenklappe eines 61-jährigen Patienten mit „Bodybuilder-Herz“ aus. Nach dem im OP-Team perfekt abgestimmten Austausch der kranken Klappe gegen eine biologische Klappe aus Rind und der Entfernung der Verkalkungen im Ring am Übergang von der linken Herzkammer und der Hauptschlagader, konnte das Herz das sauerstoffangereichte Blut ohne nennenswerten Widerstand in den Körper pumpen.

Eröffnung Neubau Anfang 2020

Matthias Blum, Geschäftsführer der Immanuel Albertinen Diakonie, sagte, die Eröffnung des Erweiterungsbaus Anfang 2020 werde die Verbindung von Spitzenmedizin und solider medizinischer Grundversorgung im Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg stärken. „Als größter Arbeitgeber in Bernau freuen wir uns auch über neue Mitarbeitende“, so Blum. Dafür stehe auch die Zusammenarbeit mit der MHB für exzellent ausgebildete Fachkräfte. „Das konnten wir heute hier erleben. Die Immanuel Albertinen Diakonie bekennt sich zur MHB, zur Medizinerausbildung – finanziell, lehrend, forschend und persönlich“, sagte Blum.

Bildergalerie mit Eindrücken vom 27. Tag des Herzzentrums

 
 
 
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